Schon mal gepuzzelt?
Ein Leib – viele Glieder – 1. Kor. 12, 12-17

Die Gemeinschaft der Christinnen und Christen ist wie der Körper Jesu, mit seinen Armen und Beinen, seinen Händen und Füßen, seinem Kopf und seinem Bauch. So verschieden seine Körperteile sind – sie gehören alle zu ihm.
So verschieden wir auch mit unseren Meinungen, unserem Wissen und unserem Können sind – wir sind alles Christinnen und Christen.
So verschieden wir auch sind – wir gehören zusammen, genauso wie die vielen Puzzleteile zu einem Puzzle gehören. Alle Teile sind gleichwertig.
Da gibt es Mittel- und Kantenstücke und Ecken. Da gibt es Teile, die direkt zueinander passen, sich miteinander verbinden lassen. Alle Teile sind verschieden, gehören aber doch zu dem einem Puzzle.
Es ist erst fertig, wenn alles zu einem Bild zusammengefügt ist. Da gibt es Tierbilder, Traumbilder, Menschenbilder.
Aber was ist, wenn ein Teil fehlt? Dann ist das Puzzle unvollständig und das darauf Dargestellte ist nicht mehr Abbild des Originals.
Wie beim Puzzle ist es auch bei uns. Wir sind nur Abbild des Originals, wenn keine und keiner fehlt.
So verschieden wir sind, wir gehören zusammen zu Jesus Christus.
Das klingt zwar wie ein Traum, aber wenn wir diesen Traum träumen und ihn versuchen umzusetzen, sind wir dem Original schon ein ganz großes Stück näher. "Wenn einer alleine träumt, dann ist das nur ein Traum. Wenn aber viele gemeinsam träumen, dann ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit."
Wie bei den Träumen ist es auch mit unseren Fähigkeiten. Wenn jeder für sich etwas tut, ist das nicht so wirkungsvoll, als wenn wir gemeinsam handeln.
"Jeder gebe nach seinen Fähigkeiten und empfange nach seinen Bedürfnissen."
So wächst unsere Gemeinschaft, die wir jeden Tag neu gestalten. Da kann die eine handwerken, ein anderer singen, eine andere denken und vielleicht ein anderer besonders gut puzzlen.

 

Lebens-Spiel

Als sich eine große Menschenmenge um Jesus versammelte, setzte er sich hin und begann zu spielen. Da traten einige seiner Freundinnen und Freunde zu ihm und sprachen: "Jesus, die Menschen sind unruhig und wollen dich hören. Und du sitzt hier seelenruhig und spielst!" Jesus blickte auf, schaute sie verständnislos an und spielte weiter. Als er sein Spiel beendet hatte, stand er auf und sprach zu den Menschen: "Habt ihr keine Ohren, um zu hören, und keine Augen, um zu sehen? Ich spiele! Spielen ist eine Quelle der Freude und des Vergnügens. Menschen, die spielen, verlassen ihre Welt und begeben sich in einen Spielraum. Menschen, die spielen, sind fröhliche Menschen. Steht nicht geschrieben, dass der Mensch frei sein soll? Wer spielt, ist frei. Ein erzwungenes Spiel ist kein Spiel.
Das Spielen ist ein Akt der Schöpfung, und dazu sind wir als Geschöpfe des Schöpfers aufgerufen. Habt ihr das Spielen verlernt, dann gebt einem Kind ein Spielzeug und lernt das Spielen von ihm neu." Die Menschen verstanden Jesus nicht. Da sagte er ihnen, worauf es im Leben ankommt:
Nicht vor der Tür –
      lieber am Tisch mit anderen im Cafe International!
Nicht allein mit einfarbigen Ansichten –
      lieber bunt: in Rot, Schwarz, Grün, Gelb und Blau!
Nicht der Halma-ÜberSprung –
      lieber Beachtung schenken und beachtet werden!
Nicht der Mensch-ärgere-dich-nicht-Rauswurf –
      lieber annehmen und angenommen werden!
Nicht vor den Malefiz-Barrikaden –
      lieber Mauern überwinden!
Nicht die Badstraße oder die Schlossallee –
      lieber ein Zuhause!
Nicht der Schachbauer –
      lieber frei sein, wie Dame und König!
Nicht die schlechten Karten –
      lieber einen Lebensjoker!
Das verstanden die Menschen. Sie fingen zu spielen an und lernten für das Leben!

 

Gesendet

Fernsehabend – wir sitzen gemütlich beieinander, haben Getränke und Knabberzeug. Es kommt eine tolle Serie, auf die wir jeden Tag warten. Der Sender ist richtig eingestellt, der Kanal stimmt.
So, wie der Fernsehsender uns diese Serie sendet, so werden wir aus jedem Gottesdienst gesendet. Und nicht nur zu denjenigen, die schon lange auf uns warten. Wir sollen – wie die Wellen der Fernsehsender – ausstrahlen, von demjenigen, von dem im Gottesdienst erzählt wurde: Jesus. In alle Richtungen des Landes.
Manchmal tun wir es so: Wir senden auf UKW. Das hat den Vorteil, dass die Tonqualität perfekt ist wie bei "enjoy radio" vielleicht: Musik und Unterhaltung für den Tag, damit er besser gelingt und die Schule und die Arbeit leichter fällt. Dieser Sender hat nur einen Nachteil: Seine Wellen reichen nicht weit genug. Besser wäre es, auf einer Langwelle zu übertragen. Sie schwingt langsamer, ist bedächtiger, die Tonqualität ist zwar nicht so gut, aber das Gesagte reicht weiter. Es trifft auch in die abgelegensten Winkel.
Das "Gehet hin im Frieden Gottes" ist so ernst gemeint, dass es treffen muss bis in die abgelegensten Winkel. Im Frieden in den neuen Tag gehen, das heißt, dass ich zufrieden sein kann, weil Gott mich begleitet. Ich kann zufrieden mit mir und mit meinen Mitmenschen sein und mich darum für den Frieden einsetzen. Die kurze Botschaft "Gehet hin im Frieden Gottes" muss ganz einfach weitergesagt werden. Denjenigen, die den Gottesdienst mitgefeiert haben, und allen Menschen. Dann wird diese Botschaft zur guten Nachricht, die zum Handeln ermuntert. Wenn durch diese Sendung Menschen anfangen, etwas zu tun, werden wir ein Top-Sender – garantiert!

 

Ich bin ja sooo verliebt!

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich meine erste rote Rose geschenkt bekommen habe!
Die Rose – das Symbol der Liebe. Aber was ist Liebe überhaupt? Das Gefühl, wenn zwei Menschen auf Wolken schweben und glücklich sind? Wenn man so miteinander vertraut ist wie mit keinem anderen Menschen?
Eure Liebe sei echt. Hasst das Böse, verfolgt nur das Gute. Seid untereinander herzlich. Seid nicht träge, sondern tut das, was ihr tun sollt. Seid engagiert, seid fröhlich, geduldig und beharrlich, übt Gastfreundschaft. (Röm.12,9-13)
Liebe ich so, wie Paulus es hier beschreibt? Erreicht mich diese Aufforderung, der ich ein so "romantisches" Bild von der Liebe habe?
"Eure Liebe sei echt..." Mich trifft dieser Text mitten ins Herz. Ich brauche im Leben jemanden, dem ich vertrauen kann. Und: Ich möchte selbst ein vertrauenswürdiger Menschen sein. Geborgenheit, Angenommensein, Harmonie und Liebe habe ich als Kind von meinen Eltern erfahren. Als Christ darf ich diese Erfahrung mit Gott machen.
Wenn ich diese Erfahrung wage, kann ich meinen Mitmenschen vertrauen und sie lieben, weil Gott mich nimmt, so wie ich bin.
Diese Liebe ist keine theoretische, sondern eine praktische Sache. Und das ist gut so. Ich muss etwas tun, den ersten Schritt wagen und dabei aufrichtig sein, denn die Liebe gibt es nur in diesem Doppelpack: Liebe und Handeln gehören zusammen. Zusammen machen sie unwiderstehlich und erfinderisch. So wächst die Liebe unter uns so, wie Rosen blühen.

 

Tat-Werkzeuge

Man begegnet sich, bleibt stehen, wünscht sich einen "guten Tag" und meint es hoffentlich ernst damit. Man gibt sich die Hand. Das Handgeben ist eine Sitte aus Afrika. Diese Handlung hatte dort früher folgende Bedeutung: Meinem Gegenüber zeige ich: Ich habe keine Waffe in der Hand, ich habe nichts gegen dich. Und heute? Wenn eine Grippewelle herrscht, vermeiden wir sogar das Händegeben. Das Händereichen hat nur noch wenig Bedeutung für uns.
Jesus hat seine Hände gereicht. Er kannte keine Distanz. Er ging auf die Menschen zu, hautnah. Er berührte sie und sie wurden geheilt.
Und wir? Wie oft rutscht uns einfach so die Hand aus? Wie häufig unternehmen wir einen Handstreich gegen einen Mitmenschen? Ohne dass wir es merken, ballt sich die Hand zu einer Faust.
Wer sich auf einen Menschen einlassen will, muss diesem ganz nah sein. Denn wer sich auf Distanz mit einem Menschen befasst, kann nur mit dem Finger auf ihn zeigen. Dann zeigen aber drei Finger auf einen selbst. Wir sollten uns die Hände reichen.
So eine Handlung tut uns gut, denn auch Gott streckt uns seine Hände entgegen. Wir brauchen sie nur zu nehmen. Dann sind wir geborgen. Dann können unsere Hände zu Tat-Werkzeugen werden, die Zärtlichkeit geben und trösten. Dann werden unsere Hände zu Gottes Händen. Und manchmal, wenn wir selbst nicht mehr ein noch aus wissen, nehmen wir unsere Hände und legen sie ineinander. Wir kreuzen die Finger. Unsere Tat-Werkzeuge ruhen. Wir halten inne und erinnern uns, dass wir in Gottes Händen geborgen sind. Das gibt uns Kraft zum neuen Handeln. Wir beten.

 

Du bist ausgezeichnet!
Der aaronitische Segen – 4. Mose 6, 24-26

Grammy, goldene Kamera, Oscar, Bambi, Golden Globe – und was bekomme ich? Alle Stars werden ausgezeichnet und ich gehe wieder einmal leer aus!
Das stimmt nicht. Du bekommst eine Auszeichnung – viel häufiger, als du denkst. Vielleicht ohne Preisgeld, vielleicht auch ohne Trophäe. Deine Auszeichnung ist mehr. Sie ist nicht in einem Jahr wieder vergessen. Sie zeichnet dich aus, ein Leben lang. "Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden."
Diese Auszeichnung Gottes ist mehr als genug und mehr, als wir begreifen können. Wir tragen sie, und in jedem Gottesdienst wird sie erneuert. Diese Auszeichnung tragen wir nicht auf unserer Kleidung als Abzeichen. Es ist ein Zeichen in uns. Andere erkennen es nur, wenn durch unser Leben dieses Zeichen sichtbar wird. Durch unser Sagen und Tun können und sollen wir dieses Zeichen anderen Menschen deutlich machen. Dann kann unser Gesicht leuchten und strahlen, weil Gottes Angesicht sich in unserem Gesicht widerspiegelt. Wenn wir uns das bewusst machen, dann verändert sich unsere Grundhaltung: Wir werden Freundlichkeit, Anerkennung und Toleranz ausstrahlen. Unsere Fröhlichkeit wird spürbar für alle anderen. Wir werden den Frieden, den wir von dem bekommen haben, der uns auszeichnet, mit anderen leben und wirklich zufrieden sein.
Mit dieser Auszeichnung gehe ich aus dem Gottesdienst und bin gestärkt für die neue Woche. Diese "Krafttankstelle" brauche ich, weil sonst diese Auszeichnung verblassen würde.

 

Carpe diem! – Nutze den Tag

Was ist Zeit? Sie vergeht wie im Flug und Augenblicke scheinen endlos. Niemand kann sie festhalten, speichern oder zurückholen. Oft habe ich sie nicht, manchmal nehme ich sie mir. Meine Zeit erlebe ich als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Astronomen haben sie in Stunden, Tage, Monate und Jahre eingeteilt. Der Begriff Zeit kommt von "teilen, zerschneiden und zerreißen". Zeit ist also ein Teil von einem Ganzen – ein Stück meines Lebens. Meine Zeit ist nicht unerschöpflich, sie ist begrenzt. Das macht sie kostbar. Manchmal erlebe ich nicht so gute Zeiten, manchmal verschwende ich meine Zeit. Auch das gehört dazu. "Alles hat seine Zeit." Ob diese scheinbar überflüssigen Momente wichtig oder schlecht waren, weiß ich erst später. Dann, wenn ich in mein Inneres schaue, wenn ich mich erinnere.
Meine Zeit ist mir geschenkt. "Meine Zeit liegt in Gottes Händen." Nicht irgendwer bestimmt meine Zeit, nicht ich selbst und kein Zeitgenosse. Das weckt in mir Vertrauen und Geborgenheit. Gottes Hände halten meine Zeit. Sie halten mich. Hier bin ich aufgehoben, werde gestützt und zärtlich begleitet.
Wenn mir bewusst wird, dass jeder Zeitpunkt einmalig und unwiederholbar ist, dann werde ich sensibler im Umgang mit der Zeit und mit meinen Mitmenschen. Wenn Menschen füreinander Zeit haben, geschieht etwas mit ihnen. Sie werden miteinander vertraut. So wird die Begegnung einmalig.
"Carpe diem" – Nutze den Tag! Nimm dir dafür Zeit, mach' was aus ihm! Dann nehme ich die Zeit aus Gottes Händen. Dann wird mir meine Zeit wichtig und ich werde feststellen, dass ich Zeit habe: für mich, für meine Mitmenschen und für Gott.