Jugendsonntag in Hülsede


Am Sonntag, dem 17. Juni 1984 hieß es für alle: Früh aufstehen! Wir hatten schon am Abend vorher die beiden Autos mit der Anlage und den Instrumenten beladen, trotzdem mussten wir schon um 6.15 Uhr losfahren, da um 9.30 Uhr der Gottesdienst in Hülsede begann.
Hülsede liegt bei Lauenau zwischen Deister und Süntel. An diesem Sonntag sollte dort ein Jugendsonntag zum Thema "Umweltschutz" stattfinden. Die drei Kirchengemeinden Hülsede, Lauenau und Bakede wollten zu diesem Thema arbeiten, Gottesdienst feiern, singen und spielen, und wir sollten die musikalische Gestaltung des Tages übernehmen.
Der Gottesdienst stand unter dem Motto "Gottes gute Schöpfung – unsere Verantwortung für die Umwelt". In diesem Gottesdienst wurde der Sonnengesang des Franz von Assisi ausgelegt und gesungen (Laudato si) und Teile der Rede des Häuptling Seattle besprochen. Ein Satz ist uns sehr in Erinnerung geblieben: "Was immer den Tieren und Pflanzen zugefügt wird, geschieht auch bald den Menschen".
An den Gottesdienst schloss sich ein Offenes Singen an. Wir hatten etwas Angst davor, denn schon im Gottesdienst hatten wir gemerkt, dass keiner so recht mitsingen wollte. Das lag daran, dass hier fast noch nie Neue Geistliche Lieder gesungen wurden. Die Kombination von Lied und Bewegung aber motivierte die Jugendlichen dann doch zum Mitsingen. Soweit, bis alle bei dem Lied "Komm, wir teilen" mitklatschten. Es war das erste Mal für uns, dass wir Jugendliche so intensiv zum Singen brachten. Hinterher kamen einige zu uns und sprachen mit uns darüber. Es war auch für sie ein tolles Erlebnis. Nach dem Essen wurde dann in verschiedenen Gruppen gearbeitet. Hier die Themen der sieben Gruppen:
1. Wasseranalyse der nahe liegenden Gewässer (zusammen mit einem Chemiker)
2. Waldschäden analysieren (zusammen mit einem Förster)
3. Filme zum Thema (mit anschließender Diskussion)
4. Gespräch über den Text: "Die letzten sieben Tage der Schöpfung" von Jörg Zink
5. Papierherstellung aus Altpapier
6. Anspiele zum Thema
7. Bibelarbeit zum Thema
Gegen Abend, nach den Berichten aus den Arbeitsgruppen, schloss sich der von uns erarbeitete Jugendgottesdienst
"Traum der Schöpfung" an. Erde, Wasser, Luft, Pflanze und Tier klagen den Menschen an, der die Schöpfung Gottes in seinen Händen hält. Sie träumen davon, wie es anders sein könnte. Am Ende steht der Mensch – auch er nicht glücklich – in Gottes Schöpfung, die er zum größten Teil zerstört hat.
Aber: Der Mensch kann etwas tun. Als Symbol für den ersten, kleinen Schritt haben wir mit allen Jugendlichen kleine Bäume gepflanzt. Dabei sangen wir den Kehrvers:

Lass jedem Tier und jedem Baum
jedem Menschen Lebensraum,
dass auf dieser grauen Erde
wieder Leben möglich werde.

Für alle Beteiligten war dieser Tag ein Erlebnis. Faszinierend für uns, dass 150 Jugendliche aus den drei Gemeinden, die zusammen nur 6000 Gemeindeglieder haben, zum Jugendsonntag gekommen sind. Warum kommen nicht so viele Jugendliche in Hildesheim zu Gottesdiensten und anderen Gemeindeveranstaltungen?